Freiheit, die im Handel besteht, existirt auch in der Religion, denn
alle Glaubensbekenntnisse werden hier ungestört neben einander
ausgeübt. Anglikaner, Ouäker und andere Dissenter, Römisch und
Griechisch Katholische, Protestanten und Lutheraner, Juden, Türken, Araber.
Alle haben ihre großen oder kleinen Kapellen und predigen wie
es ihnen gefällt; alle haben ihren eigenthümlichen Gott — — nur einem
Gotte dienen sie gemeinschaftlich: dem Gotte Mammon.
Über der kleinen Stadt Gibraltar, die sich an der Nordseite des
Felsens hinzieht, hängt die Spitze des Felskolosses, überall mit Ka-
nonen gespickt; auf der einen Seite das Mittelmeer und die
afrikanische Küste, auf der andern: den spanischen Kontinent beherr-
schend. Die Befestigungswerke sind so fürchterlich, daß ich fast zweifle,
ob die Engländer je die Freude eines Angriffs erleben werden. Für drei Jahre ist
der Felsen stets mit Proviant versehen, und so lange die englische
Flotte noch nicht vernichtet ist, kann dieser nach Belieben vergrößert
werden. Das Wunderbarste an den Befestigungen sind die so-
genannten "Gallerien": in den Fels gehauene Gänge oder Hölen,
welche um den ganzen Berg herum bis oben an die Spitze laufen
und überall Schießscharten nach der Außenseite haben, aus denen
die 48Pfünder ins Freie sehen. Die Spanier vergleichen den
ganzen Felsen mit einem ungeheuern Löwen, der mitten im
Meere liegt; die 48Pfünder sind die Zähne der Bestie.
Wie ich schon bemerkte, ist die menschliche Gesellschaft com-
pleter auf Gibraltar wie an manchen andern Orten; ja, sie ist
complet bis auf die Affen. Außer den verschiedenen Natio-
nalitäten residieren nemlich auch auf der Spitze des Felsens,
namentlich nach der Südwest-Seite hin, wirklich leibhaftige
Affen und da sie von jeher dort wohnten, also die ältesten
Bürger von Gibraltar sind, so werden sie von dem englischen
Gouverneur besonders protegiert, und es steht eine tüchtige Strafe
darauf, den Tieren irgendein Leid zu tun. Selten, und nur
bei sehr heftigem Ost-wind, kommen diese Affen, nach der Nord-
seite wo die Stadt Gibraltar liegt, und dann gewöhnlich unter
Anführung eines übermenschlich großen Affen, den die Sol-
daten der Garnison Mr. Ferguson nennen. Vergebens habe
ich mich bemüht, diesen Ferguson zu erblicken; wir hatten die
ganze Zeit schönes Wetter und die Affen blieben an der
Südseite des Felsens, die ein paar tausend Fuß schnurgerade über
dem Mittelmeer hängt und wo kein menschliches Auge den
Affen folgen kann. Auf dieser Affen-Excursion erstieg
ich den Felsen so weit, wie man steigen kann, und ich war daher
für einige Momente der süd-westlichste Mensch von ganz
Europa, denn Tarifa ausgenommen, geht wohl nichts
alle Glaubensbekenntnisse werden hier ungestört neben einander
ausgeübt. Anglikaner, Ouäker und andere Dissenter, Römisch und
Griechisch Katholische, Protestanten und Lutheraner, Juden, Türken, Araber.
Alle haben ihre großen oder kleinen Kapellen und predigen wie
es ihnen gefällt; alle haben ihren eigenthümlichen Gott — — nur einem
Gotte dienen sie gemeinschaftlich: dem Gotte Mammon.
Über der kleinen Stadt Gibraltar, die sich an der Nordseite des
Felsens hinzieht, hängt die Spitze des Felskolosses, überall mit Ka-
nonen gespickt; auf der einen Seite das Mittelmeer und die
afrikanische Küste, auf der andern: den spanischen Kontinent beherr-
schend. Die Befestigungswerke sind so fürchterlich, daß ich fast zweifle,
ob die Engländer je die Freude eines Angriffs erleben werden. Für drei Jahre ist
der Felsen stets mit Proviant versehen, und so lange die englische
Flotte noch nicht vernichtet ist, kann dieser nach Belieben vergrößert
werden. Das Wunderbarste an den Befestigungen sind die so-
genannten "Gallerien": in den Fels gehauene Gänge oder Hölen,
welche um den ganzen Berg herum bis oben an die Spitze laufen
und überall Schießscharten nach der Außenseite haben, aus denen
die 48Pfünder ins Freie sehen. Die Spanier vergleichen den
ganzen Felsen mit einem ungeheuern Löwen, der mitten im
Meere liegt; die 48Pfünder sind die Zähne der Bestie.
Wie ich schon bemerkte, ist die menschliche Gesellschaft com-
pleter auf Gibraltar wie an manchen andern Orten; ja, sie ist
complet bis auf die Affen. Außer den verschiedenen Natio-
nalitäten residieren nemlich auch auf der Spitze des Felsens,
namentlich nach der Südwest-Seite hin, wirklich leibhaftige
Affen und da sie von jeher dort wohnten, also die ältesten
Bürger von Gibraltar sind, so werden sie von dem englischen
Gouverneur besonders protegiert, und es steht eine tüchtige Strafe
darauf, den Tieren irgendein Leid zu tun. Selten, und nur
bei sehr heftigem Ost-wind, kommen diese Affen, nach der Nord-
seite wo die Stadt Gibraltar liegt, und dann gewöhnlich unter
Anführung eines übermenschlich großen Affen, den die Sol-
daten der Garnison Mr. Ferguson nennen. Vergebens habe
ich mich bemüht, diesen Ferguson zu erblicken; wir hatten die
ganze Zeit schönes Wetter und die Affen blieben an der
Südseite des Felsens, die ein paar tausend Fuß schnurgerade über
dem Mittelmeer hängt und wo kein menschliches Auge den
Affen folgen kann. Auf dieser Affen-Excursion erstieg
ich den Felsen so weit, wie man steigen kann, und ich war daher
für einige Momente der süd-westlichste Mensch von ganz
Europa, denn Tarifa ausgenommen, geht wohl nichts