alte Lied?
„Wer nie seine Trüffeln mit Thränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
In Paris bei gutem Champagner saß –
der kennt Euch nicht Ihr himmlischen Mächte!“
Ach, liebe, liebe Betty; könnte ich doch bei Wasser
und Brod, hundert Fuß tief unter der Erde,
in Ihrer Nähe sein, das wäre mir lieber als wenn
ich mit allen Göttinnen alter und neuer Zeit
einen ewigen Sonntag feiern könnte!
Eine Zeitlang werde ich das wohl so aushalten können,
wenn Sie mir bisweilen schreiben und wenn ich
mir einbilde, ich sähe Sie wieder und ich dürfte Sie
[im]mer lieben. Aber wenn Sie mir nun plötzlich
[schre]iben, daß Sie einen andern lieben — wie
dan[n? Wa]s Würden Sie an meiner Stelle tun?
Am meisten fürchte ich mich davor, daß ich zuletzt
stumpf und gleichgültig werde, denn das ist ein
langsames Sterben – ich weiß nicht mehr, was ich
Ihnen schreiben soll, es ist mitten am Tage, die
Sonne blitzt, das Meer funkelt, und die Berge
der Insel sind grün wie Smaragde — ich sollte meine
fünf Sinne beieinander haben. Wenn es nicht
der Fall ist, so wissen Sie warum.
Nochmals herzlichen Dank für Ihren lieben Brief!
Ich bitte Sie um nichts. Geben Sie mir, was Sie
geben können! Halten Sie es für gut, mir zu
schreiben, so thun Sie es. Ich habe alles Urtheil
über mein Verhältniß zu Ihnen verloren. Ich
weiß nur, daß ich Sie liebe und von Herzen
bleibe ich, liebe Betty,
Ihr Georg Weerth