Detm 1/11 °54.
Mein lieber Wilhelm!
Obgleich sehr betreten, schon gestern et-
was von Dir aus Berl. zu erhalten,
ahn’te mir’s doch keineswegs, dß. Dein
Brf. nun diese – mich tief erschütternde –
Nachricht enthalte; denn so sehr ich’s
anfangs befürchtete, dß. der Tod des
Sohnes dies zur Folge haben würde,
so war ich nach den lezten Nachrichten
v. Crefeld aus, mehr darüber beruhigt.
Wenn der mehr als 80jähr. Mann
daheim und in ungestörtem Lebensgange
entschlafen wäre, so hätte das wohl
eine ruhige Wehmuth bey mir erregt,
aber daß der alte Vater – nachdem
er von Krankht. kaum genesen – aus
sm. gewohnten Kreise aufgebrochen –
nun vereinsamt, an gebrochnem
Herzen sterben mußte, das machte
mir das Herz bluten – denn ich konnte
es zu sehr fühlen, wie dieser tiefe
Schmerz das ohnehin schon morsche Ge-
bäude zusammenbrach – habe ich doch
Aehnliches erfahren müssen. –
Weh’ thut es auch mir, dß. Du – l. W!
nicht früher konntest zu ihm gelangen,
vielleicht hätte es ihn etwas v. dem
einen Gegenstand abgeleitet – aber
was hilft das Denken darüber? er
ist nun bey Gott und sein Geist ja
wohl mit dem ss. geliebten Sohn's wieder-
vereinigt!