Lieber Herr Inspektor!!
Wie angenehm und erfreulich war mir die gütige Erinnerung an meinen Geburtstag
doppelt angenehm so fern der Heimath, daher beeile ich mich Ihnen meinen aufrichtigsten
Dank für Ihre so herzlich ausgesprochenen Glückwünsche darzubringen und habe ich mich innigst
gefreut aus Ihren Gütevollen Zeilen vom 12ten November d. J. Ihr eigenes Wohlebefinden
zu ersehen. So schlimm hier und vorzüglich in Ungarn die kalten Fieber sind, so nahe
und gefährlich die Pest ist, gegen Welche freilich wohl Nirgends bessere und strengere
Sicherheitsmaaßregeln ergriffen werden können als hier; so trotze ich doch allen Krankheiten
und befinde mich vollkommen wohl. Zwar muß man sich hier vorzüglich vor Abendluft
und Erkältungen sehr in Acht nehmen und ist es jetzt ungeheuer kalt, vorzüglich seit den
Erdstößen, welche am 26-27ten November hier Statt fanden. Meine Leute sind mit
Ausnahme meines Jägers, Alle krank gewesen. Mein Bedienter ist es noch an einem Hef-
tigen Rheumatismus im linken Arm in Folge dessen, daß er eines Abends eine Stunde
lang am offenen Fenster stand. Meine beiden anderen Leute bekamen auf der Reise durch
Ungarn das kalte Fieber und litten fast 10 Wochen fortgesezzt daran, sind aber jetzt
gänzlich (?) wiederhergestellt. Ich kann überhaupt von Glück sagen, daß ich meine Pferde
und Sachen so glücklich hierher bekommen habe, da mein Reitknecht kurz vorher eine
Art Staarhaut, in Folge eines, im Felde erhaltenen, Lanzenstiches, auf das eine Auge
bekam, so daß ich ihn nach Lemgo zurücksenden mußte. Nun mußte ich meine acht Pferde